Prof. Dr. med. Joseph Neulen
Universitäts-Frauenklinik, Universitätsklinikum der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen
In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke schrittweise ihre Hormonproduktion ein und die Fruchtbarkeit kommt allmählich zum Erliegen. Die Wechseljahre umfassen einen Zeitraum von etwa zehn Jahren, den man in drei Phasen gliedert: Prä-, Peri- und Postmenopause. Die Dauer der einzelnen Abschnitte und die Übergänge zwischen den Phasen sind dabei von Frau zu Frau verschieden.
Hormone sind natürliche Botenstoffe des Körpers. Sie werden in verschiedenen Organen (Hormondrüsen) gebildet. Estrogene und Progesteron sind die weiblichen Geschlechtshormone. Estrogene wirken an vielen Orten im Körper.
Nach dem 40. Lebensjahr beginnen die Eierstöcke die Produktion von Estrogenen und Gestagenen (Gelbkörperhormon) zu drosseln. Der hormonelle Regelkreis zwischen Hypophyse (Hirnanhangdrüse) und Eierstöcken gerät aus dem Gleichgewicht und es wird nicht mehr regelmäßig jeden Monat eine reife Eizelle produziert. Erste Anzeichen der Wechseljahre sind deshalb unregelmäßige Monatszyklen - das können allerdings nur Frauen feststellen, die nicht die "Pille" einnehmen, weil die Pille den Monatszyklus reguliert. Diese Frühphase der Wechseljahre bezeichnet man als Prämenopause.
In der Perimenopause, der stürmischsten Phase der Wechseljahre, wird die Produktion von Estrogenen massiv reduziert und die Produktion des Gestagens ganz eingestellt. Meist um das 51. Lebensjahr herum findet die letzte Regelblutung, die man als Menopause bezeichnet, statt. Ist ein Jahr lang keine Regelblutung mehr aufgetreten, kann man davon ausgehen, dass die Eierstöcke ihre Funktion eingestellt haben.
Der Rückgang der weiblichen Hormone, der Estrogene, kann zu Mangelerscheinungen führen. Diese äußern sich beispielsweise in Hitzewallungen, Herzrasen oder Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder einer allgemein verminderten Leistungsfähigkeit. Der Estrogenmangel führt außerdem zu Veränderungen im Kalziumhaushalt und beeinflusst langfristig die Festigkeit der Knochen negativ - es kann zur Osteoporose kommen.
Als Postmenopause bezeichnet man die Zeit ein Jahr nach der Menopause bis zum 65. Lebensjahr, in der der weibliche Körper praktisch keine Estrogene mehr herstellt. Wie all die Jahre zuvor produziert der weibliche Körper dagegen weiterhin geringe Mengen männlicher Hormone. Es kommt deshalb zu einem relativen Übergewicht der männlichen Hormone (Androgene).
Dieses Übergewicht an Androgenen kann manchmal zu einer gewissen "Vermännlichung" führen, die sich im Bereich von Haut und Haaren (zum Beispiel Damenbärtchen oder Haarausfall) sowie einer veränderten Verteilung des Fettgewebes im Körper bemerkbar machen: Statt der typisch weiblichen Verteilung an Hüfte und Gesäß ("Birnentyp") beobachtet man verstärkt Fettpolster im Bauchbereich ("Apfeltyp"). Das kann problematisch sein, da diese männliche Fettverteilung mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird.

Anna Lehrmann53 Jahre, Sachbearbeiterin
Seit einigen Jahren kämpfe ich mit den Begleiterscheinungen der Wechseljahre: Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schlafstörungen. Ich weiß, dass die Wechseljahre ein normaler Prozess im Leben einer Frau sind und viele wünschen sich einen natürlichen Umgang mit diesem Lebensabschnitt.
Aber für mich waren die Hitzewallungen, die sich in Abständen von etwa 40 Minuten wiederholt haben, besonders schlimm. Sie machten mich aggressiv und reizbar. Ich habe so geschwitzt, dass ich ein paar komplette Garnituren Unterwäsche zur Arbeit mitnehmen musste.
Ich suchte Rat bei meiner Frauenärztin. Heute habe ich mein Leben dank einer Hormontherapie wieder im Griff und bin rundum zufrieden.