Dr. med. Frank Schwebke
Neurologe und Redakteur der Zeitschrift Bunte, München
"Ein dunkler Schatten legt sich schwer auf mein Gemüt", klagte die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, als sie die Wechseljahre durchlebte. Viele Frauen in und nach den Wechseljahren kennen dies nur allzu gut aus eigener Erfahrung: Lebensfreude und Antrieb nehmen dramatisch ab, gleichzeitig überschattet ein Gefühl von Leere und Sinnlosigkeit das Lebensgefühl. Diagnose der Experten: peri- und postmenopausale Depressivität.
Auch die geistige Leistung, etwa die Konzentrationsfähigkeit und das Erinnerungsvermögen, lassen in dieser Lebensphase deutlich nach. Beides - die depressive Stimmungslage und die geistige Leistungsminderung - kann die moderne Hormonforschung schlüssig erklären. Verantwortlich dafür ist der relativ abrupte Abfall der Estrogene, also der weiblichen Geschlechtshormone, in den Wechseljahren.
Der Hintergrund: Die Estrogene spielen eine entscheidende Rolle für die geistige Leistung und seelische Stabilität - aus mehreren Gründen: Erstens erhöhen diese Hormone die Geschwindigkeit der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Zweitens steigern sie über einen komplizierten Mechanismus die Bildung der wichtigen Nervenbotenstoffe Acetylcholin und Serotonin im Kopf. Drittens verbessern sie die Sauerstoffversorgung des Gehirns. Der praktische Effekt dieser wissenschaftlich nachgewiesenen Phänomene: Estrogene halten den Geist fit und geben der Seele Schwung.
Konsequenz: Wenn starke Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen vorliegen, ist ein Hormonersatz der entscheidende Schritt. Als Zusatzeffekt der Therapie gewinnen die Frauen auch die Lebensfreude und geistige Leistungsfähigkeit zurück.
Das Problem: Ein alleiniger Estrogenersatz erhöht das Risiko des Gebärmutterkrebses. Deshalb müssen Estrogene bei Frauen, die ihre Gebärmutter noch haben, stets mit einem Gestagen kombiniert werden. Doch herkömmliche Gestagene machen die erwünschten Estrogenwirkungen teilweise oder vollständig wieder zunichte - ein Dilemma.
Der Ausweg: Es gibt Gestagene, die aufgrund ihrer chemischen Struktur keine antiöstrogene Wirkung besitzen. So bleiben also die positiven Estrogeneffekte auf Geist und Psyche voll erhalten und werden teilweise sogar verstärkt.
Quelle: Rudolph et al., Climacteric 2004; 7 (3)
Wer seinen Geist nach der Menopause fit halten will, kann sein Gehirn mit einer einfachen Übung trainieren, für die Sie lediglich eine Tageszeitung benötigen: Prägen Sie sich die zehn wichtigsten Schlagzeilen auf der Titelseite ein. Dann drehen Sie die Titelseite nach unten und schreiben Sie die Headlines auf ein Blatt Papier. Kontrollieren Sie das Ergebnis: Wenn Sie 60 Prozent der Schlagzeilen oder mehr wortgenau wiedergegeben haben - Glückwunsch! Aber trainieren Sie weiter, jeder Trainingstag bringt den Kopf weiter in Schwung.
Renate Buchberger
59 Jahre, Arzthelferin
Ich bin Arzthelferin in einer Frauenarztpraxis. Sehr viele Patientinnen mit Wechseljahresbeschwerden sprechen mich an und fragen mich nach meinen eigenen Erfahrungen, da ich im gleichen Alter bin.
Es gibt natürlich die unterschiedlichsten Beschwerden: Bei mir haben sich die Wechseljahre sehr auf die Stimmung ausgewirkt. Ich war grundlos aggressiv, gleichzeitig empfindlich und oft traurig, einfach nicht richtig "im Lot". Seit ich Hormone ersetze, fühle ich mich richtig wohl und ausgeglichen.
Gerade wenn es mal stressig wird, kann ich ruhig und gelassen bleiben. Ich habe die Hormoneinnahme einmal für drei Monate unterbrochen und gleich gemerkt, wie das auf meine Stimmung geschlagen hat: Ich war wirklich unausstehlich zu meinem Umfeld. Warum soll ich das mir und meiner Umgebung antun? Dass ich jetzt die Energie, sozusagen den "inneren Antrieb" habe, viel zu unternehmen und viel Sport zu treiben, konnte ich mir vorher nicht vorstellen.