Prof. Dr. med. Gunther Göretzlehner
Gynäkologe, Rostock
Die Auswirkungen des Estrogenmangels können sehr vielgestaltig sein. So entwickelt sich bei manchen Frauen das so genannte Metabolische Syndrom. Das heißt, es kommt zu ungünstigen Veränderungen im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel, woraus Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder ein Diabetes resultieren können. Dies wird zusätzlich durch das unerwünschte Überwiegen der männlichen Hormone noch verstärkt, da diese auch weiterhin in den Eierstöcken produziert werden. Natürlich spielen bei diesen Erkrankungen auch genetische Faktoren eine große Rolle, aber das allmähliche Voranschreiten der Erkrankungen kann durch den Estrogenmangel beschleunigt werden. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig den unerwünschten Stoffwechselveränderungen durch eine geeignete Hormontherapie vorzubeugen.
Durch den Abfall der Estrogene kommt es zum Überwiegen der männlichen Hormone (Androgene). Dies kann zu einer "Vermännlichung" des weiblichen Körpers führen und mögliche Folgen sind Androgenisierungserscheinungen wie zum Beispiel ein "Damenbart" oder Haarausfall. Aber auch Veränderungen der Stimme sind möglich. Durch die Anwendung einer Hormontherapie wird der Körper wieder mit weiblichen Hormonen versorgt. Darüber hinaus sollte man eine Gestagenkomponente mit zusätzlicher antiandrogener Wirkung bevorzugen. Durch eine solche Kombinationstherapie wird die hormonelle "Negativbilanz" ausgeglichen und die Folgen einer Vermännlichung können wirksam beseitigt werden.
